G9 gemeinsam gestalten

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Einführung von OStDin Monika Rahner als Schulleiterin am Armin-Knab-Gymnasium

Rede des Personalrats

 

Sehr geehrte Ministerialbeauftrage Monika Zeyer-Müller,
sehr geehrte Landrätin Tamara Bischof,
sehr geehrter Oberbürgermeister Siegfried Müller,
liebe Festgäste,

herzlich Willkommen, liebe Frau Rahner!

Im Namen aller Kolleginnen und Kollegen begrüßen wir Sie herzlich als neue Schulleiterin am Armin-Knab-Gymnasium, an Ihrer Wunschschule, wie Sie uns wiederholt gesagt haben.

Als Schulleiterin starten Sie bei uns 2017 – einem besonderen Jahr:

  • 500 Jahre Reformation. Wir blicken 2017 zurück auf den Thesenanschlag von Martin Luther. Mit ihren Gedanken der Freiheit des Christenmenschen, der Gleichheit und der Geschwisterlichkeit legte die Reformation letztlich mit den Grundstein für die Aufklärung und unsere heutige Demokratie.
    Damals wie heute gilt „Ecclesia semper reformanda“.
  • „Das G9 ist wieder da und das ist gut so!“ Mit diesen Worten eröffnet unser Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle seine Rede beim Festakt des Bayerischen Philologenverbands vor wenigen Tagen.
    Was für die Kirchen gilt, gilt auch für die (höheren) Schulen in Kitzingen, die traditionell eng mit diesen verbunden waren: „Scola semper reformanda.“

Ein Blick auf einige Meilensteine unserer Schulgeschichte bestätigt dies:

Ab ca. 745 gab es in Kitzingen Klosterschulen.
Ab 1340 gab es in Kitzingen Lateinschulen, die nach dem Grundsatz „cuius regio eius religio“ zunächst katholisch, dann phasenweise evangelisch waren.
Am 15.06.1871 beschließt der Magistrat die Gründung einer „allgemeinen, confessionslosen, vollständigen Lateinschule“ und legt damit den Grundstein für unser heutiges Gymnasium.
1894 Umwandlung der Lateinschule in ein 6-klassiges Progymnasium
1962 Einweihung des neuen Schulhauses im Mühlberggebiet
1975 Einführung des Kollegstufensystems mit Leistungskursen
2004 Einführung des achtjährigen Gymnasiums

2017 – ein besonderes Jahr des Neuanfangs für unser Armin-Knab-Gymnasium

G9 gemeinsam gestalten

Sehr geehrte Frau Rahner, Sie starten 2017 nicht nur an einer für Sie neuen Schule, sondern auch mit einem neuen Gymnasium, einem neunjährigen Gymnasium, das vielen unserer Schülerinnen und Schüler mehr Zeit gibt. Mehr Zeit, um zu lernen, zu üben, zu vertiefen. Mehr Zeit für Zusatzangebote, Interessenschwerpunkte, außerschulische Aktivitäten. Mehr Zeit für selbstständiges Denken und Reflektieren – für echte gymnasiale Bildung eben.

G9 gemeinsam gestalten.

Gemeinsam. Dieser Begriff ist uns wichtig. Die Gemeinschaft, der Zusammenschluss, das Verfolgen einer gemeinsamen Idee, eines gemeinsamen Ziels: Das ist die ursprünglichste Form des Zusammenlebens. Seit es Menschen gibt, gibt es Gemeinschaften. Die Geschichte der Menschheit ist im Grunde nichts anderes als eine Abfolge von solchen Zusammenschlüssen und – natürlich auch – deren Auseinanderbrechen.

Damals wie heute können wir sehen: Verbesserungen sind vor allem mit gebündelter Kraft möglich.

Wir müssen jedoch auch feststellen, dass Bindekräfte nachlassen können, gemeinsame Ideen oder Rituale verloren gehen. Wir stellen das in vielen Bereichen fest: In Kirchen, Parteien, Vereinen, in Europa – um nur wenige Beispiele zu nennen.

Nichts anderes erleben wir in der Pädagogik, beim Lernen: Individualisierung ist das Stichwort. Sie hat uns zu Gestaltern unserer eigenen Biografien gemacht, eine große Errungenschaft. Doch wenn diese umfassend, total, angestrebt wird, kann sie auch hier in die Vereinzelung führen.

Wir haben uns über das gute Abschneiden von Deutschland bei der PISA-Studie zur Teamfähigkeit gefreut. Wissen Sie wie der Test aussah? Den Kindern wurden am Computer Aufgaben gestellt, die sie gemeinsam mit virtuellen Partnern bearbeiten mussten.

Wir sollten daher unser Armin-Knab-Gymnasium weiter als realen Ort der sozialen Bindekraft verstehen, als Stätte, die die Gemeinschaft stärkt und fördert.
Wir haben eine hervorragende Schulgemeinschaft:

  • Schülerinnen und Schüler, die sich mit ihrer Schule identifizieren und stolz die Schulshirts tragen,
  • Eltern, die sich engagiert in vielen Bereichen einbringen,
  • Sekretärinnen, die sich neben zahlreichen Verwaltungsaufgaben mit viel Empathie auch der Sorgen und Anliegen jedes Einzelnen annehmen, sowie
  • Kolleginnen und Kollegen, die als Philologen nicht nur ihre Fächer lieben, sondern gerade auch als Pädagogen wirken und kollegial zusammenarbeiten.

Sehr geehrte Frau Rahner, wir sind froh, dass Ihnen das gute Miteinander der Schulfamilie ein wichtiges Anliegen ist. Gemeinsam mit der ganzen Schulfamilie haben Sie vor, unser Leitbild zu überarbeiten. Lassen Sie uns weiter die besondere Gemeinschaft der Schulfamilie am AKG leben und pflegen.

 

G9 gemeinsam gestalten.

„10 Jahre Vertretungsplan sind genug.“  Bereits bei Ihrer ersten Vorstellung machten Sie deutlich: Sie wollen gestalten. Und das können und müssen Sie als Schulleiterin beim Aufbau eines neuen neunjährigen Gymnasiums jetzt auch.

Viele Fragen ergeben sich, die wir im Rahmen der Schulentwicklung beantworten müssen:

  1. Internationalisierung: Die Arbeitswelt von heute ist global aufgestellt, wie man bei erfolgreichen Firmen in Kitzingen sehen kann. Entwicklung in Kitzingen, Produktion in Marokko, Weiterverarbeitung in Stuttgart.
  • Welche Sprachenfolgen werden wir am AKG in Zukunft anbieten und bewerben?
  • Wie können wir unsere guten bilingualen Angebote weiterentwickeln?
  1. MINT EC: Grundlage unseres Wohlstands sind technische Innovation und engagierte Unternehmen.
  • Wie können wir unser neues Schülerlabor im Unterrichtsalltag verankern, so dass es von möglichst vielen Schülern genutzt werden kann?
  • Wie können wir noch mehr Schüler für Teilnahme an MINT Wettbewerben begeistern?
  1. Demokratie: Wir leben in einer Welt zunehmenden Separatismus (Brexit, Katalonien etc.), wachsenden Nationalismus, in Filterblasen und Fake news.
  • Wie schaffen wir es, unseren Schülern mitzugeben, dass Demokratie und Frieden nicht selbstverständlich sind, sondern täglich im Kleinen und Großen erarbeitet werden muss?
  • Wie entwickeln sich unsere internationalen Partnerschaften weiter, die heute wichtiger denn je sind, um den europäischen Gedanken mit Leben zu füllen?
  1. Digitalisierung: Die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung, die vierte industrielle Revolution erfordert den Erwerb von Medienkompetenz als neue zusätzliche vierte Kulturtechnik. Dabei dürfen jedoch – wie Staatssekretär Georg Eisenreich betont – die alten Kulturtechniken „Lesen, Schreiben, Rechnen“ nicht vernachlässigt werden.
  • Welches Medienkonzept hilft unseren Schülern dabei, zu kritisch, reflektierenden Bürgern zu werden, die Medien sinnvoll nutzen, ohne sich dabei in Filterblasen zu verfangen?
  • Wie sehen „digitale Klassenzimmer“ für uns am AKG aus, so dass sie einen echten Mehrwert für die Bildung junger Menschen darstellen?
  1. Kunst, Musik und Sport: Mens sana in corpore sano. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper.
  • Wie entwickeln wir unser musisches Profil weiter?
  • Wie schaffen wir eine bedarfsgemäße, bauliche Weiterentwicklung, v.a. auch im Hinblick auf die zusätzlich erforderlichen überdachten Sportstätten, Musikräume, idealerweise eine große Veranstaltungshalle?

Bei all diesen Fragen, wünschen wir uns ein Armin-Knab-Gymnasium,
das den jungen Menschen zu Orientierung verhilft in Zeiten von Vieldeutigkeit und scheinbar uneingeschränkten Entscheidungsmöglichkeiten:
ein Gymnasium der Persönlichkeitsbildung, eines der Werte; mehr denn je.

Das Ausbilden einer werteorientierten Haltung sollte das prägende Kennzeichen des neuen bayerischen Gymnasiums sein – die übergreifende Idee, die große Klammer, das „Corporate Design“, wenn man so möchte. Schließlich werden die jungen Menschen, die heute unser Armin-Knab-Gymnasium besuchen, später die Geschicke unserer Stadt, unseres Landes, unserer Gesellschaft lenken und verantworten.

Liebe Frau Rahner, wir freuen uns, mit Ihnen eine aufgeschlossene Chefin bekommen zu haben, die bereits in den ersten Monaten Akzente gesetzt hat:

  • Das Infoportal wurde als neue Kommunikations- und Notenverwaltungssoftware für die Lehrkräfte eingeführt, die Homepage neu gestaltet.
  • Wir arbeiten an der Weiterentwicklung unseres Leitbilds und des Medienkonzepts.

Was bleibt uns da noch Ihnen mit auf den Weg zu geben, die zielstrebig Schulleiterin an Ihrer Wunschschule geworden ist?

Wir denken, die Regeln des heiligen Benedikt für den Abt passen auch gut zu einer Schulleiterin. Benedikt schreibt:

Er (der Abt) muss wissen, „wie schwer und mühevoll die Aufgabe ist, die er übernommen hat: Seelen zu leiten und der Eigenart vieler zu dienen, dem einen mit freundlichen Worten, einem anderen mit Tadel, einem dritten mit gutem Rat. Dem Charakter und der Fassungskraft jedes einzelnen suche er zu entsprechen und sich allen so verständnisvoll anzupassen, daß er an der ihm anvertrauten Herde nicht nur keinen Schaden leidet, sondern sich am Gedeihen einer guten Herde freuen kann.“[i]

Wir wünschen Ihnen, dass Sie sich am Gedeihen einer guten Herde am Armin-Knab-Gymnasium freuen können:

  • Wir wünschen Ihnen viel Freude an den Erfolgen unserer Schülerinnen und Schülern mit ihren unterschiedlichsten Begabungen und Talenten.
  • Wir wünschen Ihnen stets die richtigen Worte in den vielen Gesprächen mit Schülern, Eltern, Kollegen, Verwaltungsmitarbeitern, Politikern und vielen Kooperationspartnern.
  • Wir wünschen Ihnen und uns motivierte Schülerinnen und Schüler, sowie engagierte Eltern.
  • Wir wünschen Ihnen ein Schulleitungsteam, das Sie in der Fülle der Aufgaben unterstützt und entlastet – und das haben Sie sicher mit Ihrem Stellvertreter Michael Mauer, sowie Bert Eitschberger und Christian Hanft als Mitarbeiter im Direktorat zum Glück bereits.
  • Wir wünschen Ihnen viel Kraft und Ausdauer, bei allen Problemen und Schwierigkeiten, mit denen Sie sicher auch jeden Tag konfrontiert sein werden. Damit Ihnen die Energie nicht ausgeht, haben wir Ihnen einen „Powerpack Joy“ mitgebracht, mit dem Sie Ihren Akku bei Bedarf wieder laden können. Viel Freude damit!

Sehr geehrte Frau Rahner, wir freuen uns auf eine gute, konstruktive Zusammenarbeit zum Wohl unserer Schülerinnen und Schüler!

Scola semper reformanda – Lassen Sie uns das neue G9 am AKG gemeinsam gestalten!

 

Tilo Hemmert, Personalratsvorsitzender, 04.12.2017

[i] Grün, Anselm: Menschen führen, Leben wecken, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach, 20079, S. 95