Am 6. Dezember bekommt man Besuch von den Heiligen Drei Königen, das weiß hier jedes Kind. Vielleicht war der ein oder andere früher selbst ein Sternsinger. Verkleidet als Caspar Melchior oder Balthasar zog man von Haus zu Haus, sang Lieder und malte mit Kreide die Formel C+M+B auf die Türenrahmen. So feiern zumindest wir Deutschen das Dreikönigsfest.
Dieses Jahr brachte uns unsere Klassenlehrerin, Madame Endres, jedoch den Brauch ihrer Heimat mit. Wir staunten nicht schlecht, als sie uns am Tag nach den Weihnachtsferien mit Kuchen überraschte. Doch was hatte es mit den merkwürdigen Pappkronen auf sich?
Wie sich herausstellte, sind diese ein fester Bestandteil eines traditionellen Galette des Rois. Ein Kuchen, in dessen Teig eine „Fève“ gebacken wird. Ursprünglich befand sich im Inneren tatsächlich der Bedeutung entsprechend eine trockene Bohne. Heute wird die Fève allerdings durch kleine Figuren, Geldstücke oder ähnlichem ersetzt. Wer sie beim Kuchenschmaus dann in seinem Stück findet wird mit der Krone zum roi pour un jour, zum König für einen Tag, gekürt und darf sich einen Wunsch erfüllen lassen. Damit jeder auch die gleichen Chancen bekommt, muss der Jüngste unter den Tisch krabbeln und beim Anschnitt entscheiden, wer welches Stück des Galettes erhält.
Da wir so viele waren, hatte Madame Endres gleich drei Kuchen mitgebracht. Gespannt warteten wir, bis alle von der jüngsten Schülerin zum Vorgehen aufgerufen wurden. Unsere Lehrerin gab dann jedem das soeben angeschnittene Stück. Endlich war es an der Zeit die französische Spezialität zu kosten. Da man wegen der vermeintlich zu findenden Fève natürlich deutlich langsamer, vorsichtiger und somit auch genussvoller aß, wurde das Ganze automatisch besonders zelebriert.
Am Ende hatten drei von uns natürlich noch das große Los gezogen zu den Königen des Tages ernannt zu werden und obendrein sogar ein kleines Andenken an diesen Tag zu erhalten. Doch auch der Rest war begeistert von Madame Endres‘ netten Idee und die Tradition des Galette des Rois kennen lernen zu dürfen.
Und seien wir ehrlich, gegen Kuchenessen in der Französischstunde hat sicherlich keiner etwas einzuwenden!
Marit Gernert, 9A






