Bei kommunalpolitischen Workshops im Kitzinger Rathaus lernen junge Menschen mögliche Zugänge zur Politik
Kitzingen Junge Menschen mit den Herausforderungen und Chancen der lokalen Politik konfrontieren – ein Ziel des „Kommunalpolitischen Workshops“, den die Stadt Kitzingen seit nunmehr eineinhalb Jahren anbietet. Von einer „coolen und voll wichtigen Aktion“, spricht Paula Gold, die kürzlich mit ihren Kolleginnen und Kollegen der 11a des AKG im Rathaus weilte. Politische Aufklärung sei wichtig, sagt die Elftklässlerin. „Schließlich muss die Politik der Zukunft von unserer Generation kommen.“

JungStil-Leiter Jochen Kulczynski und Oberbürgermeister Stefan Güntner geben den Klassen in einem zweistündigen Workshop lebendige Einblicke in die Strukturen der Lokalpolitik – inklusive einer nachgestellten Stadtratssitzung. „Wir haben intensiv über das Haus für Jugend und Familie diskutiert“, berichtet Ronja Brustmann und ergänzt: „Jetzt haben wir eine Anlaufstelle kennengelernt, die wir aufsuchen können.“ Als politisch interessiert erlebt AKG-Lehrer Tilo Hemmert einen Großteil seiner Schülerinnen und Schüler und erinnert an die Organisation einer Demonstration für Demokratie und gegen Rechtsextremismus Anfang 2024. „Die junge Generation hat in der Regel eine klare Meinung“. Dass der Anteil junger Menschen in der (Lokal)Politik trotzdem so gering ist, sei bedauerlich. Im Kitzinger Stadtrat etwa gibt es lediglich zwei Mitglieder unter 40 Jahren. „So können die Interessen der jüngeren Generation natürlich kaum vertreten werden“, bedauert OB Güntner. Er animierte die Schüler, sich politisch einzubringen – auch wenn der Weg mühsam ist. „Ich stand zweimal auf der CSU-Liste und bin nicht in den Stadtrat gewählt worden“, erzählte er. Ausdauer sei gefragt. Oder kreative Wege, wie die Erstellung einer „Jungen Liste.“ „Bei unserem Wahlrecht ist es so gut wie sicher, dass mindestens eine Person auf so einer Liste in den Stadtrat gewählt wird.“ Der Blickwinkel und die Meinung dieser Generation sind ihm wichtig. „Wir brauchen junge Menschen, die ihre Themen und Wünsche im politischen Gremium vertreten.“

Paula Gold und Ronja Brustmann wollen sich gerne politisch weiterbilden. „Es bräuchte halt spezifischere Aktionen, um vertiefende Informationen zu erhalten“, meinte Paula Gold. Immerhin: Die zwei Stunden Workshop haben das frustrierende Gefühl einer politischen Machtlosigkeit bei Ronja Brustmann verändert und ihre Klassenkollegin ergänzt: „Wir haben das Gefühl bekommen, dass wir selbst wirklich etwas tun und verändern können.“ Letztendlich liege es halt an jedem selbst.
Text: Ralf Dieter






